Minentaucher der 8. Küstenschutzflottille der polnischen Marine haben fünf britische Luftminen aus dem Zweiten Weltkrieg unschädlich gemacht. Sie lagen in etwa zehn Metern Tiefe in der Pommerschen Bucht, rund einen Kilometer vom Wellenbrecher des LNG-Terminals entfernt. An dieser Stelle soll der Wellenbrecher des neuen Außenhafens entstehen. Geplant war der Einsatz vom 5. bis 8. Oktober. Die Marine war nach drei Tagen fertig.
Entdeckt wurden die Minen bei Untersuchungen des Meeresbodens im Auftrag des Seeamts Stettin. Es handelte sich um rund drei Meter lange Zylinder der Typen Mark IV, V und VI. Zusammen wogen sie etwa 3,5 Tonnen. Der Sprengstoff entsprach etwa 2,5 Tonnen TNT, 350 bis 550 Kilogramm pro Mine.
Am Montag, dem 5. Oktober, machten die Taucher ab 8 Uhr die ersten beiden Minen unschädlich. Nach Angaben der polnischen Nachrichtenagentur PAP enthielten sie zusammen mehr als eine Tonne Sprengstoff. Die Hauptarbeit leistete die Minentauchergruppe des 12. Minensuchgeschwaders.
Ohne große Explosion
Die Minen wurden nicht gesprengt. Die Marine setzte auf Deflagration: Der Sprengstoff wird kontrolliert abgebrannt, ohne dass die ganze Ladung explodiert. Reste wurden anschließend mit kleinen Ladungen zerstört. Ein Vertreter der regionalen Umweltbehörde war auf See dabei.
„Jedes solche Objekt verlangt ein individuelles Vorgehen, genaue Erkundung und eine entsprechende Vorbereitung“, sagte Einsatzleiter Fregattenkapitän Sławomir Góra dem Portal Defence24.
Sperrzone über die Grenze
Vier Tage lang durfte auf rund 16 Kilometern Küste niemand ins Wasser, von Ahlbeck über Swinemünde bis Misdroy. Die Zone reichte 8,8 Kilometer aufs Meer hinaus. Die Strände blieben für Spaziergänger offen. Schiffe mussten 821 Meter Abstand halten, Ankern, Schleppnetzfischerei und Fischfang waren verboten. Mehr als 50 Polizisten, Grenzschutz und Feuerwehr sicherten die Küste.
Die Gemeinde Heringsdorf informierte ihre Gäste in Ahlbeck. Für NDR, Ostsee-Zeitung und Nordkurier waren vor allem die gesperrten Badestrände der Kaiserbäder das Thema. Ukrainische Portale betonten die Nähe zum LNG-Terminal. Die russische Agentur TASS und die belarussische BelTA meldeten den Einsatz nur in diesem Zusammenhang, ohne den Hafenbau zu erwähnen.
„Geranium“
Swinemünde war ein wichtiger Stützpunkt der Kriegsmarine. Das britische Bomber Command warf ab 1940 Minen in Fahrrinnen und Hafenzufahrten. Die Briten nannten das „Gardening“, die Seegebiete erhielten Pflanzennamen. Die Zufahrt nach Swinemünde hieß „Geranium“. Ein Teil der Minen ist nie explodiert.
Nicht zum ersten Mal
Im Oktober 2020 entschärften Taucher derselben Flottille im Piastowski-Kanal (Kaiserfahrt) eine mehr als fünf Tonnen schwere britische Tallboy-Bombe. Die Evakuierung betraf 751 Anwohner. Am 13. Oktober 2020 ging das Abbrennen in eine Detonation über. Verletzt wurde niemand.
Nach Angaben des Bundesumweltministeriums liegen in der Ostsee rund 300.000 Tonnen Munition aus den Kriegen, in der Nordsee rund 1,3 Millionen Tonnen. Der Bau des Außenhafens und einer 70 Kilometer langen Zufahrtsrinne wird einen großen Teil des Bodens der Pommerschen Bucht berühren.
Quellen: Defence24 (7.10.); PAP über PortalMorski.pl (6.10.); iswinoujscie.pl (1.10.); Ostsee-Zeitung; Nordkurier; Bomber-Command-Codenamen; BMUV; Nasze Miasto Świnoujście (Tallboy, 2020).
Illustration: KI-generiert, kein Foto vom Ort des Geschehens.
