Swinetunnel: Die Durchfahrt ist kostenlos. Wer durchfahren darf und warum die Fähren weiter fahren

Seit dem 30. Juni 2023 verbindet der Tunnel unter der Swine (Świna) die Inseln Usedom (Uznam) und Wollin (Wolin). Die Durchfahrt ist kostenlos und dauert nur wenige Minuten. Früher wartete man in der Hochsaison an der Fähre in Kaseburg (Karsibór) bis zu zwei, drei Stunden. 2025 fuhren mehr als 5,2 Millionen Fahrzeuge durch den Tunnel. Trotzdem verkehren in Swinemünde (Świnoujście) weiterhin Fähren, und die Stadt verkauft die Schiffe, die sie nicht mehr braucht. Wir erklären, wer durch den Tunnel fahren darf und wer die Fähre nehmen muss.

Was wir wissen

Für die Durchfahrt zahlt niemand: weder Einwohner noch Touristen noch Lkw-Fahrer. Es gibt keine Schranken, keine Vignette und keine elektronische Maut.

Die gesamte Querung ist rund 3,2 km lang, der Tunnel selbst knapp 1,5 km. Er besteht aus einer Röhre mit zwei Fahrstreifen, je einem pro Richtung, und Standstreifen auf beiden Seiten. An der tiefsten Stelle liegt die Fahrbahn 11 m unter dem Grund der Swine. Der Bau kostete 912,6 Mio. Złoty, davon trug die Europäische Union 775,7 Mio. Złoty, also rund 85 Prozent. Bauherr war die Stadt, die Bauausführung betreute als beauftragter Bauherr die polnische Generaldirektion für Landesstraßen und Autobahnen (GDDKiA). Unterhalten wird der Tunnel von der städtischen Verwaltung für Straßen und Schifffahrt (ZDMiŻ).

Im Tunnel gelten Tempo 50, Überholverbot und eine Abschnittskontrolle der Geschwindigkeit. Fußgänger und Radfahrer dürfen ihn nicht benutzen, ebenso wenig Gefahrguttransporte und Fahrzeuge mit Übermaß.

Nach Daten des Portals iswinoujscie.pl fuhren 2025 insgesamt 5.252.490 Fahrzeuge durch den Tunnel, im Schnitt 14.390 pro Tag. Das sind 9,3 Prozent mehr als 2024 mit 4.806.407 Durchfahrten. Am stärksten ausgelastet war der August: 585.681 Durchfahrten, knapp 18.900 pro Tag. Von der Eröffnung bis Ende 2025 nutzten mehr als 12,45 Millionen Fahrzeuge den Tunnel.

Hintergrund: Warum die Fähren weiter fahren

Jahrzehntelang, eigentlich jahrhundertelang, war Swinemünde auf Fähren angewiesen. Autofahrer – auch Lkw auf dem Weg zum Hafen und von der deutschen Seite der Insel – warteten in der Saison bis zu zwei, drei Stunden. Die einzige Alternative war der Umweg über Stettin (Szczecin). Die Fähren sind nicht verschwunden, haben aber eine neue Rolle.

Die Fährverbindung Ostswine (Warszów) wird mit Fähren vom Typ „Bielik“ bedient, die nach Angaben des Portals Autoblog Spider’s Web etwa alle halbe Stunde fahren, spätabends seltener. Vor der Tunneleröffnung durften sie nur motorisierte Einwohner der Stadt nutzen, heute stehen sie allen offen. Für Fußgänger und Radfahrer ist das der wichtigste Weg zwischen den Stadtteilen beiderseits der Swine.

Die Fähre Kaseburg (Karsibór) südlich der Stadt bringt die Fahrzeuge über die Swine, die nicht in den Tunnel dürfen: Gefahrguttransporte, Fahrzeuge mit Übermaß und Radfahrer. Nach Angaben desselben Portals fährt sie werktags alle zwei Stunden.

Die Fähren sind auch die Reserve, wenn der Tunnel gesperrt ist. Bei nächtlichen Wartungssperrungen wie im Juli 2026 dürfen nur Busse und Einsatzfahrzeuge nach vorheriger Absprache mit der Leitstelle durch den Tunnel. Alle anderen nehmen dann die Fähre in Ostswine.

Wie es weitergeht

Die Stadt verkleinert ihre Flotte. Von sieben Fähren sollen vier bleiben: zwei modernisierte „Bieliki“ in Ostswine und zwei für Gefahrgut umgerüstete „Karsibory“ in Kaseburg. Als erste wurde die „Karsibór IV“ von 1978 verkauft, die am Tag der Tunneleröffnung ihre letzte Fahrt machte. Anfang 2026 kaufte sie die Firma Czerwony Szkwał für knapp eine halbe Million Złoty. Nach Angaben des Portals TransInfo geht der Großteil des Erlöses nach Brüssel, weil der Betrieb der Fähre mit dem EU-geförderten Tunnelprojekt verknüpft war.

Für die „Bielik III“ fand sich im März 2026 kein Käufer. In der zweiten Ausschreibung wurde der Mindestpreis auf 5,04 Mio. Złoty netto gesenkt; Angebote können bis zum 15. Oktober 2026 eingereicht werden. Auch die „Karsibór I“ steht zum Verkauf, mit einem Mindestpreis von 6,99 Mio. Złoty netto; die Angebote sollten am 12. Oktober geöffnet werden.

Beigelegt ist auch der Streit um Geld für den Bau. Im Januar 2026 schloss die Stadt einen Vergleich mit dem Baukonsortium Porr und Gulermak, das rund 100 Mio. Złoty für Zusatzarbeiten verlangt hatte. Laut dem Fachportal Rynek Infrastruktury ist die Vergleichssumme niedriger; sie wird nach der Bestätigung durch das Gericht veröffentlicht.

Der kostenlose Tunnel ist zum wichtigsten Weg auf die Insel und von der Insel geworden – auch für Gäste aus Deutschland, die von Ahlbeck oder Heringsdorf nach Misdroy (Międzyzdroje) fahren. Die Fähren bleiben eine Ergänzung für alle, die nicht unter die Erde dürfen.

Der Tunnel hat den Charakter der Stadt verändert. Das bisher etwas abgeschottete Swinemünde ist offen geworden, teilweise sogar eine Transitstadt zwischen Deutschland und Polen, weil das unberechenbare Warten auf die Fähre weggefallen ist. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte ist die Stadt vollständig mit der Insel Wollin verbunden, und der Weg nach Stettin und weiter nach Berlin ist modern und schnell geworden.

Eine Warnung: Die Geschwindigkeit im Tunnel, begrenzt auf 50 km/h, wird automatisch gemessen, und Bußgeldbescheide kommen unabhängig davon, in welchem Land das Auto zugelassen ist. Vorsicht auch auf der Schnellstraße nach Stettin: An zwei Stellen wird dort die Geschwindigkeit automatisch gemessen. Das System ist wirksam – wer zu schnell fährt, entgeht dem Bußgeld nicht.

Quellen: iswinoujscie.pl, Durchfahrten 2025 (05.01.2026); Rynek Infrastruktury, Kosten, EU-Förderung, Betreiber, Vergleich (29.01.2026); Interia Motoryzacja, technische Daten und Sperrungen (Juli 2026); Autoblog Spider’s Web, Fährverbindungen (16.08.2026); TransInfo, Verkauf der „Karsibór IV“ (09.02.2026); TransInfo, Flottenplan (16.04.2026); GospodarkaMorska.pl/PAP, zweite Ausschreibung „Bielik III“ (16.09.2026); GospodarkaMorska.pl, Ausschreibung „Karsibór I“ (27.08.2026). Alle Quellen auf Polnisch.

Foto: Nicola / Wikimedia Commons, Lizenz CC BY-SA 4.0

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