Die Bohrplattform ist zurück. In Deutschland Protest, in Polen Stille

Vor Swinemünde arbeitet wieder eine Bohrplattform. Laut dpa ist sie im Auftrag des kanadischen Unternehmens Central European Petroleum (CEP) im Einsatz. Ein Firmensprecher bestätigte eine zweite Bohrung, die von den Behörden im Verfahren verlangt wird. Sie soll einige Tage dauern. Schon um den Jahreswechsel 2024/2025 stand eine Plattform in dem Gebiet.

Von der Seebrücke in Heringsdorf ist sie zu sehen. Vertreter der Gemeinde zeigten sich überrascht.

Was CEP plant

CEP hält das Feld vor Wollin für die größte Öllagerstätte Polens und schätzt sie auf rund 21 Millionen Tonnen. Geplant ist eine etwa zehn Hektar große künstliche Insel, rund sechs Kilometer von der Hafeneinfahrt Swinemündes entfernt, geschützt durch einen Wellenbrecher. Laut dem Magazin „Yacht“ könnten von der Insel bis zu 30 Bohrungen ausgehen. Das untersuchte Projektgebiet umfasst rund 35 Quadratkilometer. Das Öl soll vor Ort aufbereitet und per Schiff abtransportiert werden. Die Förderung soll mehr als 30 Jahre dauern, eine spätere Gasförderung ist möglich. Die Ostsee-Zeitung schreibt, die Insel solle mitten in europäischen Schutzgebieten entstehen.

Grenzüberschreitende Prüfung

Die grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung befindet sich im Scoping-Stadium. Laut „Yacht“ läuft es bis Mitte Oktober 2026. Auf deutscher Seite hat das Bergamt Stralsund Behörden und Umweltverbände um Stellungnahmen gebeten. Bürger können später Einwendungen erheben. Mecklenburg-Vorpommern will sich am Verfahren beteiligen. Einen Umweltbericht oder Genehmigungen gibt es noch nicht. Nach Angaben des NDR, zitiert von „Yacht“, könnte der Bau frühestens 2028 beginnen.

Stimmen aus Deutschland

DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner kritisiert fehlende Transparenz und fordert, dass es neue Öl- und Gasförderung direkt vor Usedom nicht geben dürfe. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) nennt das Projekt Ausdruck einer klimapolitisch rückwärtsgewandten Industriepolitik. Die Grünen-Europaabgeordnete Hannah Neumann übergab der EU-Kommission eine Petition für ein Verbot neuer Öl- und Gasförderung in der Ostsee. Laut Nordkurier haben sie 90.000 Menschen unterschrieben.

In polnischen Medien tauchte das Thema bisher nur in kurzen Meldungen lokaler Portale auf.

Quellen: dpa über Proplanta (3.10.); Nordkurier (3. und 5.10.); FOCUS online (3.10.); Yacht (30.9.); Ostsee-Zeitung, Newsletter „Zweitheimat“ (10/2026).

Illustration: KI-generiert, kein Foto vom Ort des Geschehens.

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